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Erinnerungen an die NILS HOLGERSSON

 

 

Die NILS HOLGERSSON (5) war ein "Zwischending" der Jumbo-Passagierfähren der 1980er Jahre und der RoPax-Fähren der 1990er. Manch Zeitgenosse betitelte das Schiff seinerzeit abfällig als Kabinenfrachter, was allerdings völliger Quatsch war und dem Schiff nicht gerecht wurde. Natürlich bot die fünfte NILS mit diesem Namen nicht mehr die Einrichtungen wie die PETER PAN aus 1986. Aber die Zeiten hatten sich auch verändert und seinerzeit war die NILS HOLGERSSON genau die passende Antwort auf die sich langsam verändernden Verkehrsstrukturen in der südlichen Ostsee.

 

Mir lief das Schiff erstmals als ROBIN HOOD über den Weg. Es war in den 1980er Jahren, als erste Projektzeichnungen auftauchten über zwei neue, große Eisenbahnfähren, die TT-Line zwischen Travemünde und Trelleborg einsetzen wollte. Zwei wirklich innovative Neubauten, und das, nachdem erst 1987 der letzte Neubau, die NILS HOLGERSSON (4) zum TT-Line-Pool gestoßen war. Wann gab es das letzte Mal so viele Neubauten auf einen Streich in der südlichen Ostsee?

 

 

Reederei-Pressefoto der einlaufenden ROBIN HOOD in Travemünde. 2250 lane meter hatte das Schiff, davon 870 Meter (nie genutzte) Gleise, die aber trotzdem Tausende von Fahrten über die Ostsee machten.

 

(1989)

 

 

 

Als Besatzungsmitglied fuhr ich in den Jahren 1994 und 1995 sowie 2000 und 2001 auf dem Schiff. Ich erlebte also die Anfangs- und die Endzeit dieses Schiffes als NILS HOLGERSSON und verfolge bis heute seine Entwicklung, derzeit (2010) als TOM SAWYER noch immer für TT-Line, nun zwischen Rostock und Trelleborg im Dienst. Und wieder als Frachtfähre, denn 2001 erfolgte ein weiterer Umbau. Der im Jahre 1993 aufgebrachte Kabinen- und Fahrgastdeckaufbau wurde wieder entfernt.

 

Heute gehört die TOM SAWYER mit ihrer Schwester HUCKLEBERRY FINN zu den ältesten Fähren der TT-Line. Kaum zu glauben, dass das Schiff bereits über 20 Jahre alt ist. Ich habe noch die ersten Projektzeichnungen vor Augen, als zwei große Combi-Carrier das Eisenbahnfährgeschäft in der südlichen Ostsee aufwirbeln sollten. Schade, dass es dazu nicht kam. Und trotzdem schön, dass sie immer noch zum täglichen Bild in Trelleborg gehören.

 

 

Die ROBIN HOOD am Skandinavienkai in Travemünde...

 

(06.1992)

 

   

... und in Trelleborg.

 

(06.1992)

 

 

Die NILS HOLGERSSON wurde im Jahre 1989 als Frachtfährschiff ROBIN HOOD (damals bei TT unter der Bezeichnung Combi Carrier laufend) zwischen Travemünde und Trelleborg in Dienst gestellt. Eigentlich sollte die Fähre zusammen mit ihrer Schwester NILS DACKE eine neue Epoche bei TT einläuten, nämlich den Eisenbahnfährverkehr. So war das Hauptdeck mit Eisenbahngleisen ausgestattet. Allerdings wurden nie Eisenbahnfahrzeuge zwischen Travemünde und Trelleborg befördert, denn das Projekt scheiterte letztlich an der "Macht" der staatlichen Bahnen DB, DSB und SJ, die wenige Jahre zuvor selbst einen Weg nach Schweden mit Dan-Link geschaffen hatten.

 

Durch dem Verkauf der 1986er PETER PAN und der 1987er NILS HOLGERSSON wurden Ersatzschiffe notwendig, die man in den beiden Schwestern ROBIN HOOD und NILS DACKE fand. Beide wurden bei der Werft Wärtsilä in Finnland zu Passagierfähren umgebaut. Die ROBIN HOOD kam nach dreieinhalb Monaten Umbauzeit als NILS HOLGERSSON zurück. Sie war bereits Ausdruck einer veränderten Reedereipolitik und in den Passagiereinrichtungen nicht mehr ganz so großzügig wie die Vorgänger PETER PAN und NILS HOLGERSSN aus 1986/87.

 

 

Fotomontage des geplanten Zustandes nach dem Umbau der ROBIN HOOD, wie sie seinerzeit an die Presse gegeben wurde.

 

(1993)

   

Über alle Toppen geflaggt: Erste Ankunft als NILS HOLGERSSON direkt aus der Umbauwerft in Finnland.

 

(04.1993)

 

 

Die neue NILS HOLGERSSON, das nunmehr fünfte Schiff mit diesem Namen, konnte auf rund 1400 Lademetern LKW/ Trailer laden. Für 1044 Passagiere standen 308 Kabinen mit 1025 Bettenplätzen  zur Verfügung (alle mit Dusche/ WC, Fön, Rundfunk, Telefon). Das gastronomische Angebot bestand aus einem Restaurant á la carte und einer Cafeteria. Auch ein Nacht-Club mit Tanzfläche für 200 Personen, Bar und Disco, Video-Fernsehen, zwei Saunen, eine 80 Meter lange Arkade mit Café und Bar sowie Geschäfte wurden eingebaut. 7000 Quadratmeter hochwertige Teppiche wurden neu verlegt, dazu 500 Quadratmeter Granitboden, 600 Spiegel und 160 Bilder, 50 Quadratmeter Fototapete, 300 Quadratmeter lackierte Dekore und 3000 Beleuchtungskörper.

 

Die Eisenbahngleise blieben übrigens liegen...

 

 

Technische Daten:

 

Bauwerft Schichau Seebeckwerft AG, Bremerhaven
Länge ü. a. 177,20 m
Breite Wagendeck 26,50 m
Tiefgang 5,90 m
Vermessung 30.825 BRZ
Geschwindigkeit 18,0 kn
Passagiere 1.044
PKW-Kapazität 535
Lademeter 1.480 m
Antrieb 2 MAN / B & W 8L40/45, 2 MAN / B & W Diesel 6L40/45

 

 

 

 

Einlaufend Travemünde...

 

(07.1993)

   

 

 

... beim Passieren der Nordermole.

 

(07.1993)

   

 

 

An einem anderen Tag: Vormittags auslaufend Travemünde.

 

(07.1993)

   

 

 

Bei der Vorbeifahrt an der PASSAT.

 

(07.1993)

   

 

 

Ausgehend die Mole.

 

(07.1993)

   

 

 

Handruderstand auf der Brücke.

 

(05.1994)

   

 

 

Nautischer Wachoffizier beim Betrachten der umliegenden Verkehrssituation auf dem ARPA-Radargerät.

 

(05.1994)

   

 

 

Steuerbord-Brückennock.

 

(05.1994)

   

 

 

Hauptfahrstand mit den beiden ARPA-Geräten.

 

(05.1994)

   

 

 

An einem frühsommerlichen Tag auf See.

 

(06.1994)

   

 

 

Einlaufend Travemünde, links die Nordermole.

 

(06.1994)

   

 

 

Aufbauten und Rettungsboote an der Steuerbordseite.

 

(06.1994)

   

 

 

Der altbekannte Blick: Lotsenstation Travemünde, Schwimmbad und Maritim-Hotel.

 

(06.1994)

   

 

 

Travemünde.

 

(06.1994)

   

 

 

Der Skandinavienkai.

 

(06.1994)

   

 

 

STENA CARRIER der Linie Travemünde-Göteborg.

 

(06.1994)

   

 

 

Kurz vor dem Anleger, im Hintergrund die Finnland-Fähre RAILSHIP III.

 

(06.1994)

   

 

 

Das bin ich! Der da oben! Winkend über der Brücke auf dem Peildeck, bei der Ausfahrt aus Travemünde (Nordermole).

 

(06.1994)

   

 

 

Travemünde Skandinavienkai. Viel Schiffsverkehr.

 

(07.1994)

   

 

 

Beim Drehen in der Siechenbucht, nachdem die Passage der VIOLA GORTHON abgewartet wurde.

 

(07.1994)

   

 

 

FINNMERCHANT auf dem Weg nach Finnland.

 

(07.1994)

   

 

 

BALANGA QUEEN, die im Tallink-Service Travemünde-Helsinki-Tallinn fuhr.

 

(07.1994)

   

 

 

FINNHANSA beim Passieren des Skandi-Kais.

 

(07.1994)

   

 

 

MALMÖ LINK aus Malmö kommend.

 

(07.1994)

   

 

 

Ro/Ro-Frachter BREANT.

 

(07.1994)

   

 

 

TT-Line`s TT-TRAVELLER bei der Rückwärtsfahrt zum Anleger.

 

(07.1994)

   

 

 

Das Schiff war der Ersatz für die umgebauten Combi-Carrier und lief mit schwedischem Kapitän und deutscher Besatzung.

 

(07.1994)

   

 

 

Das Schiff wurde 1992 als STENA TRAVELLER in Dienst gestellt und war von TT-Line bis 1995 gechartert.

 

(07.1994)

   

 

 

Die TT-Traveller hatte später, 1997, noch einmal einen mehrjährigen Einsatz für TT-Line.

 

(07.1994)

   

 

 

Der Lübecker Schlepper MICHAEL beim Begleiten der NILS HOLGERSSON.

 

(08.1994)

   

 

 

Das obere Ladedeck der NILS.

 

(08.1994)

   

 

 

Das untere Ladedeck (Eisenbahndeck), gut sichtbar sind die Gleise. In der MItte das Ladebüro für die Eisenbahnbeladung.

 

(08.1994)

   

 

 

Eingang zu den Passagierbereichen vom Landgang und vom Autodeck. Das war einer der auffälligen Unterschiede zur 1986er PETER PAN, wo man vom Landgang aus direkt in die Passagierdecks kam und sofort vom Stewardessen/ Stewards in Empgang genommen wurde.

 

(08.1994)

   

 

 

Cafeteria Frontseite

 

(08.1994)

   

 

 

Cafeteria Free Flow.

 

(08.1994)

   

 

 

Werftzeit in Lübeck bei der heute leider nicht mehr existierenden Flender-Werft. Man beachte das seitlich aufgebrachte Europa-Symbol, das in dieser Zeit angebracht wurde.

 

(03.1995)

   

 

 

Das Dock war etwas zu kurz für die rund 178 Meter lange NILS HOLGERSSON, also schaute das Vorschiff etwas hervor.

 

(03.1995)

   

 

 

Reinigungsarbeiten am Unterwasserschiff.

 

(03.1995)

   

 

 

Über dieses Gerüst kam man an oder von Bord.

 

(03.1995)

   

 

 

Einer der beiden Verstellpropeller.

 

(03.1995)

   

 

 

NILS HOLGERSSON einlaufend Travemünde.

 

(05.1995)

   

 

 

Nun mit Europa-Zeichen an der Seite.

 

(05.1995)

   

 

 

NILS HOLGERSSON mit Museumsschiff PASSAT.

 

(05.1995)

   

 

 

NILS HOLGERSSON beim Passieren der Travemünder Lotsenstation.

 

(05.1995)

   

 

 

NILS HOLGERSSON am Anleger in Trelleborg.

 

(05.1995)

   

 

 

LKW und Trailer fahren die durch Bugklappe in das Schiff.

 

(05.1995)

   

 

 

Blick von der Gangway in Trelleborg auf das Schiff.

 

(05.1995)

   

 

 

SAGA STAR war wieder da! Nachdem das Schiff bereits von 1981 bis 1988 für TT-Line fuhr, war es ab 1993 erneut im Einsatz.

 

(05.1995)

   

 

 

Auslaufend Trelleborg mit Blick auf SAGA STAR.

 

(05.1995)

   

 

 

Trelleborg.

 

(05.1995)

   

 

 

Vom Strand in Travemünde aus gelang dieses Bild: NILS HOLGERSSON einlaufend, FINNMERCHANT und SAKHALIN 8 ausgehend.

 

(1996)

 

 

Der zweite Umbau: Aus NILS HOLGERSSON wird TOM SAWYER

 

Im August 2001 schrieb ich darüber folgenden Artikel für die Zeitschrift "Ferries":

 

Eine ehemalige Frachtfähre, bestens bekannt als Auto-Passagierfährschiff, wird zurückgebaut zur Frachtfähre... Ein für Werften nicht alltäglicher Vorgang. Zumal in Bremerhaven, mitten im Fischereihafen, also für jeden Betrachter fast hautnah miterlebbar. Abgesperrt ist kaum etwas, warum auch? Bremerhaven ist große Schiffe gewöhnt. Während nur wenige Meter neben der Fähre Eltern mit ihren Kindern um die Wette skaten, trennen Arbeiter die großen Buchstaben des Schiffsnamens mit einem Trennscheider ab. NILS HOLGERSSON ist als Brandspur auf dem weißen Rumpf noch zu erkennen. Überall an dem TT-Liner wird gehämmert und geschweißt. Ganze Lüfter werden per Autokran von Bord gehoben, angeleitet von den Rufen eines Werftarbeiters. Ein anderer Kran hievt eine riesige rot-rostige Stahlplatte an Bord. Ausgemergelt sieht die alte HOLGERSSON im hinteren Umbaubereich aus. Das Bild erinnert an die Verschrottung der DSB-Eisenbahnfähre DANMARK... Ganze Sektionen stehen an Land und auf einem Ponton herum. Fenster sind eingeschlagen, Deckenverkleidungen zerfetzt, Rohrleitungen herausgerissen. Ein Treppenhaus ist erkennbar sowie das hintere Sonnendeck. Erinnerungen werden wach. Welcher Schweden-Reisende ist nicht mit diesem Schiff gefahren und über den blaufarbigen Stahl geschlendert, der jetzt von hier aus in den Schrott wandern wird. Ein zweites Mal im Leben dieser Fähre verändert sich der hintere Aufbautenbereich. Das Gesicht bleibt. Einst gehörte es der ROBIN HOOD. Dann der NILS HOLGERSSON. Nun schließlich der TOM SAWYER, deren Grundzüge bereits erkennbar sind. Noch sind die neu angebrachten Bordwände im Bereich der Fahrgastdecks rostig braun und als gerade angebrachte Platten deutlich erkennbar. In wenigen Wochen jedoch fügen sie sich durch einen nicht unwesentlichen Schlag weißer Farbe in das Gesamtbild des Frachtfährschiffes ein. Die Schifffahrtswelt darf gespannt sein auf diesen alten Bekannten, dessen Gesicht sich trotz der Umbauten einfach nicht verändern will.

 

 

 

 

Im Fischereihafen Bremerhaven. Aus NILS HOLGERSSON wird TOM SAWYER.

 

(08.2001)

   

 

 

Der alte Name verschwindet.

 

(08.2001)

   

 

 

Der hintere Aufbautenbereich wurde entfernt.

 

(08.2001)

   

 

 

Was acht Jahre vorher in Finnland an Stahl in das Schiff eingebaut wurde, kam jetzt wieder runter.

 

(08.2001)

   

 

 

Über dieses Treppenhaus gingen viele Schweden-Passagiere.

 

(08.2001)

   

 

 

Das ehemalige Fahrgastdeck, reif für die Verschrottung.

 

(08.2001)

   

 

 

Autokräne schafften unentwegt alte Teile runter und neue Teile rauf.

 

(08.2001)

   

 

 

Kurze Zeit später ging die ehemalige ROBIN HOOD/ ehemalige NILS HOLGERSSON als TOM SAWYER für TT-Line`s Dienst zwischen Rostock und Trelleborg erneut in Fahrt.

 

(08.2001)

 

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